| Jagd auf den Wal |
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Dann begann die sogenannte "Grönländer Schlittenfahrt".
Der verwundete Wal schoss unter Wasser davon, die lange Leine mit der Schalupe hinter sich herziehend.
Kam der Wal nach langem Tauchen wieder an die Oberfläche, um Atem zu schöpfen, wurden ihm mit den langen Lanzen , die die Speckschicht durchbohrten, die tödlichen Stiche beigebracht.
Mit Hilfe mehrerer Schalupen wurde der erlegte Wal zum Mutterschiff geschleppt.
Nachdem ihm die gewaltige Schwanzflosse abgeschlagen war, wurde der Wal zum Flensen seitwärts festgemacht.
Die Speckschneider trugen, um Halt zu haben, spitze Eisen unter den Stiefeln.
Mit großen Messern lösten sie den zu- weilen 40 cm dicken Speck in Streifen ab.
An Deck wurden diese zerkleinert und in Fässer verpackt.
So wurde der Speck zum Ausbrennen in die Heimat gebracht.
Hier lagen die Tranbrennereien wegen ihres Gestanks weit weg von menschlichen Siedlungen.
Der Speck wurde in kupferne Pfannen gefüllt und ein Holzfeuer darunter entfacht.
Der kochende Tran wurde 2 - 3 Stunden immerzu umgerührt.
Dann wurde er ausgeschöpft und in kaltes Wasser gekippt.
Der gute, wertvolle Tran schwamm oben, der dicke, auch Grundsuppe genannt, sank nach unten.
Der gute, dünne Tran diente vor allem für die Beleuchtung daheim und auf der Straße; weiterhin nutzte man ihn zur Speisezubereitung und auch zu Heilzwecken.
Den geringen Tran benutzte man als Schmiermittel für Maschinen.
Noch schlechtere, dickere Qualitäten dienten als Hundefutter oder Heizmaterial.
Während der ersten Jahrzehnte des historischen Walfangs wurde nur der Speck der Beutetiere genutzt. Ein später um so mehr geschätztes Produkt der Waljagd waren die Barten, an Land "Fischbein" genannt. Diese Barten sind die aus bestem Horn bestehenden Elemente des gewaltigen Filterapparats im Maul der Bartenwale. Im Gegensatz zu den Zahnwalen (Pottwal, Delphin) sind sie mit einem engen Schlund versehen, durch das sie nur kleine Nahrungsbestandteile verschlucken können, wie z.B. "Krill". Das sind planktonische Krebse, die in unvorstellbaren Mengen vor allem in den arktischen Meeren leben. Die Barten wachsen im Oberkiefer an jeder Seite des Gaumens und erreichen eine Durchschnittslänge von gut 3 Metern und eine Breite von etwa 30 Zentimetern. 400 bis 600 Barten hängen im Abstand von etwa 6 mm in die Mundhöhle hinab. Hier bilden sie allesamt ein gewaltiges Sieb in dem Nahrungsbestandteile hängen bleiben, nachdem die zuvor mit ihnen aufgenommenen Wassermassen aus dem nunmehr halbgeschlossenen Maul wieder herausgepresst worden sind. Um die Barten zu gewinnen, fuhr man mit einer Schaluppe ins geöffnete Maul hinein und brach die Barten heraus. Für die weitere Bearbeitung wurden sie von Fleisch und Blut gesäubert und nach Größe gebündelt. So kamen sie in die Fischbeinreißereien auf dem Festland. Hier wurden die Barten, jetzt Fischbein genannt, 2 Stunden lang im Wasser gekocht. Dann wurden sie gehobelt und zerteilt. Die abfallenden feinen Späne fanden Verwertung als Ersatz für Rosshaar bei der Polsterung von Sesseln und Sofas. Aus den Barten fertigte man u.a. Korsettstangen, Schirme, Knöpfe, Peitschenstiele, Lineale, Hutschachteln, Kämme, Koffer und sogar Blattfedern für Kutschen. Ende des 18. Jahrhunderts brach der Markt für Fischbein zusammen: Die Mode hatte sich gewandelt. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts kam Petroleum als neues Leuchtmittel auf den Markt; es verdrängte innerhalb weniger Jahre den Tran. So endete die Zeit des klassischen Walfangs nach etwa 200 Jahren. |
Text: Harald Nissen, Süderende auf Föhr |